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Kleine Zeitung Artikel: Ein Wellenreiter stellt sich neu auf
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- 6 min Lesedauer
Ein Wellenreiter stellt sich neu auf
Chefwechsel nach 25 Jahren: Anton Kohl rückt beim Grazer Mess- und Prüfgerätprofi AVL DiTEST auf. In herausfordernden Zeiten für den Wachstumskaiser.
Gerald Lackner ist eine Art AVL-DiTEST-Lexikon. Faktenreich, oft auch anekdotisch, spricht der 67-Jährige über das Unternehmen, das für ihn so etwas wie die berühmte Westentasche wurde. Seit der Gründung der zur AVL-Gruppe gehörenden Grazer Firma im Jahr 1999 steht Lackner an der Spitze. Die Reichweite des Dirigenten veränderte sich in dieser Zeit dramatisch. Waren es anfangs noch 35 Menschen, die den Spezialisten für Mess- und Prüfgeräte formten, wuchs die Zahl der Beschäftigten zuletzt auf nahezu 400 Leute. An der Spitze kommt es nun zur Zäsur. Er habe "seit vielen Jahren an der Nachfolge gearbeitet", erzählt Lackner. Um das Jahr 2010 sei er erstmals gefragt worden, wer ihm denn einmal nachfolgen werde. "Der Toni Kohl", hätte er damals gesagt. Jetzt ist die Prognose Realität und "der Toni", ebenfalls seit 1999 Teil der AVL DiTEST, neuer Chef. Gerald Lackner bleibt dem Unternehmen in beratender Funktion erhalten.
Die DiTEST selbst blickt auf eine durchwegs forsche Wachstumsgeschichte zurück. Setzte das Unternehmen mit Standorten in Deutschland und China, sowie Vertretungen in rund 50 Ländern, 2020 noch 51,4 Millionen Euro um, steigerte AVL DiTEST die Zahl 2023 mit fast 400 Beschäftigten auf den Höchststand von 125 Millionen Euro. 2024 pendelt sich der Umsatz bei rund 100 Millionen Euro ein. Zur Kundschaft der Steirer zählen neben Prüforganisationen auch Werkstätten und Fahrzeughersteller à la VW, BMW, Jaguar Land Rover oder Mercedes-Benz.
"Die Kunst besteht darin, auf den Wellen zu surfen", sagen Kohl und Lackner im obersten Stock der AVL-DiTEST-Zentrale in Graz-Eggenberg mit Blick auf das eigene, von Volatilität geprägte, Geschäftsmodell. "Zwei Stürme" seien es, die Wellen erzeugen. Ausgelöst von Automobil-Herstellern und ihren Ausstattungswellen auf der einen und Gesetzgebung auf der anderen Seite. So sind es auch der Gesetzgeber und die mit 1. Jänner 2023 in Deutschland implementierte strengere Regelung zur Messung der Partikelanzahl gewesen, die zu einem wahren Umsatzturbo werden. In einer Zeit der Lieferengpässe, Covid zieht zu dieser Zeit tiefe Furchen und destabilisiert weltweit Lieferketten , dreht AVL DiTEST die Produktionsschrauben noch einmal an und holt sich 80 Prozent Marktanteil bei Prüforganisationen. Binnen sechs Monaten werden 10.000 Abgastester ausgeliefert, also fünfmal so viele wie in einem "normalen" Jahr. Das Messgerät Counter wird zum Heilsbringer. Technologisch basiert das Gerät auf dem Prinzip, Partikel elektrisch aufzuladen. Dieses wiederum sorgt laut AVL DiTEST für "schnelle Messverfügbarkeit ohne Betriebsmittel" und eine "exakte Partikelzählung in kurzer Zeit".
"Die Kunst besteht darin, auf den Wellen zu surfen", sagen Anton Kohl und Gerald Lackner
Wie das steirische Unternehmen dem schrittweisen Rückgang der Verbrennertechnologie in Europa entgegentritt? Nun, schon seit Längerem sei eine Verschiebung der Umsatzverteilung zu beobachten, wird berichtet, hin zu Lösungen für Elektromobilität und alternativen Antriebskonzepten. So zählt der Umgang mit hohen Spannungen, das Messen von Isolations- oder Übergangswiderständen, heute zu den Stärkefeldern von AVL DiTEST. "Für uns ist die Marktpopulation relevant", sagt Anton Kohl. Und: Bei
Neueinführungen sind wir in der E-Mobilität schon fest verankert.
Bewährt hätte sich in einer Phase der Mobilitätstransformation ein "agiles Führungssystem". Dieses basiere auf sehr kurzen, aber schnell folgenden, Ritualen. Ziel sei eine "hohe Synchronität der Information", schildern die AVL-DiTEST-Manager. Jeden Tag um 9 Uhr trifft sich das Führungsgremium, dann folgt ein 20-minütiger Austausch. "Um 9.20 Uhr ist es aus. Egal, welcher hochintelligente Satz im Raum steht", sagt Gerald Lackner und lacht auf.
Immun gegen die Herausforderungen der Gruppe, zuletzt musste die AVL in mehreren Tranchen eine beträchtliche Zahl an Beschäftigten in Graz abbauen, ist freilich auch die AVL DiTEST nicht. Das "strenge Sparprogramm machen wir mit", heißt es von Lackner und Kohl unisono - "wir sind ja Teil des Konzerns". Mit Blick auf die Kosten agiere man in diesen Tagen "restriktiv". Aber, das ist beiden Managern wichtig zu betonen, man "spare nirgends, wo es wirklich an die Substanz geht". Die Volatilität des eigenen Geschäfts hätte ohnehin gelehrt, in Hochzeiten "keine Organisationsstrukturen aufzubauen, die irreversibel sind". Ein Vorteil, wenn Turbulenzen am Markt zunehmen. In den nächsten fünf Jahren wolle man grosso modo ein "stabiles Wachstum darstellen", sagt Neo-Chef Anton Kohl.
Artikel: Markus Zottler, erschienen in Kleine Zeitung, am 20.12.2025
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Kleine Zeitung Artikel: Ein Wellenreiter stellt sich neu auf
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Ein Wellenreiter stellt sich neu auf
Chefwechsel nach 25 Jahren: Anton Kohl rückt beim Grazer Mess- und Prüfgerätprofi AVL DiTEST auf. In herausfordernden Zeiten für den Wachstumskaiser.
Gerald Lackner ist eine Art AVL-DiTEST-Lexikon. Faktenreich, oft auch anekdotisch, spricht der 67-Jährige über das Unternehmen, das für ihn so etwas wie die berühmte Westentasche wurde. Seit der Gründung der zur AVL-Gruppe gehörenden Grazer Firma im Jahr 1999 steht Lackner an der Spitze. Die Reichweite des Dirigenten veränderte sich in dieser Zeit dramatisch. Waren es anfangs noch 35 Menschen, die den Spezialisten für Mess- und Prüfgeräte formten, wuchs die Zahl der Beschäftigten zuletzt auf nahezu 400 Leute. An der Spitze kommt es nun zur Zäsur. Er habe "seit vielen Jahren an der Nachfolge gearbeitet", erzählt Lackner. Um das Jahr 2010 sei er erstmals gefragt worden, wer ihm denn einmal nachfolgen werde. "Der Toni Kohl", hätte er damals gesagt. Jetzt ist die Prognose Realität und "der Toni", ebenfalls seit 1999 Teil der AVL DiTEST, neuer Chef. Gerald Lackner bleibt dem Unternehmen in beratender Funktion erhalten.
Die DiTEST selbst blickt auf eine durchwegs forsche Wachstumsgeschichte zurück. Setzte das Unternehmen mit Standorten in Deutschland und China, sowie Vertretungen in rund 50 Ländern, 2020 noch 51,4 Millionen Euro um, steigerte AVL DiTEST die Zahl 2023 mit fast 400 Beschäftigten auf den Höchststand von 125 Millionen Euro. 2024 pendelt sich der Umsatz bei rund 100 Millionen Euro ein. Zur Kundschaft der Steirer zählen neben Prüforganisationen auch Werkstätten und Fahrzeughersteller à la VW, BMW, Jaguar Land Rover oder Mercedes-Benz.
"Die Kunst besteht darin, auf den Wellen zu surfen", sagen Kohl und Lackner im obersten Stock der AVL-DiTEST-Zentrale in Graz-Eggenberg mit Blick auf das eigene, von Volatilität geprägte, Geschäftsmodell. "Zwei Stürme" seien es, die Wellen erzeugen. Ausgelöst von Automobil-Herstellern und ihren Ausstattungswellen auf der einen und Gesetzgebung auf der anderen Seite. So sind es auch der Gesetzgeber und die mit 1. Jänner 2023 in Deutschland implementierte strengere Regelung zur Messung der Partikelanzahl gewesen, die zu einem wahren Umsatzturbo werden. In einer Zeit der Lieferengpässe, Covid zieht zu dieser Zeit tiefe Furchen und destabilisiert weltweit Lieferketten , dreht AVL DiTEST die Produktionsschrauben noch einmal an und holt sich 80 Prozent Marktanteil bei Prüforganisationen. Binnen sechs Monaten werden 10.000 Abgastester ausgeliefert, also fünfmal so viele wie in einem "normalen" Jahr. Das Messgerät Counter wird zum Heilsbringer. Technologisch basiert das Gerät auf dem Prinzip, Partikel elektrisch aufzuladen. Dieses wiederum sorgt laut AVL DiTEST für "schnelle Messverfügbarkeit ohne Betriebsmittel" und eine "exakte Partikelzählung in kurzer Zeit".
"Die Kunst besteht darin, auf den Wellen zu surfen", sagen Anton Kohl und Gerald Lackner
Wie das steirische Unternehmen dem schrittweisen Rückgang der Verbrennertechnologie in Europa entgegentritt? Nun, schon seit Längerem sei eine Verschiebung der Umsatzverteilung zu beobachten, wird berichtet, hin zu Lösungen für Elektromobilität und alternativen Antriebskonzepten. So zählt der Umgang mit hohen Spannungen, das Messen von Isolations- oder Übergangswiderständen, heute zu den Stärkefeldern von AVL DiTEST. "Für uns ist die Marktpopulation relevant", sagt Anton Kohl. Und: Bei
Neueinführungen sind wir in der E-Mobilität schon fest verankert.
Bewährt hätte sich in einer Phase der Mobilitätstransformation ein "agiles Führungssystem". Dieses basiere auf sehr kurzen, aber schnell folgenden, Ritualen. Ziel sei eine "hohe Synchronität der Information", schildern die AVL-DiTEST-Manager. Jeden Tag um 9 Uhr trifft sich das Führungsgremium, dann folgt ein 20-minütiger Austausch. "Um 9.20 Uhr ist es aus. Egal, welcher hochintelligente Satz im Raum steht", sagt Gerald Lackner und lacht auf.
Immun gegen die Herausforderungen der Gruppe, zuletzt musste die AVL in mehreren Tranchen eine beträchtliche Zahl an Beschäftigten in Graz abbauen, ist freilich auch die AVL DiTEST nicht. Das "strenge Sparprogramm machen wir mit", heißt es von Lackner und Kohl unisono - "wir sind ja Teil des Konzerns". Mit Blick auf die Kosten agiere man in diesen Tagen "restriktiv". Aber, das ist beiden Managern wichtig zu betonen, man "spare nirgends, wo es wirklich an die Substanz geht". Die Volatilität des eigenen Geschäfts hätte ohnehin gelehrt, in Hochzeiten "keine Organisationsstrukturen aufzubauen, die irreversibel sind". Ein Vorteil, wenn Turbulenzen am Markt zunehmen. In den nächsten fünf Jahren wolle man grosso modo ein "stabiles Wachstum darstellen", sagt Neo-Chef Anton Kohl.
Artikel: Markus Zottler, erschienen in Kleine Zeitung, am 20.12.2025
